Die Geschichte der Transplantationsmedizin

Die Transplantation von Organen oder Körperteilen zum Ersatz verloren gegangener Funktionen ist seit Jahrhunderten ein Traum der Menschen. Bereits seit dem Mittelalter wurden Versuche unternommen, verschiedene Organe und Körperteile von einem Menschen auf einen anderen zu übertragen, jedoch für lange Zeit erfolglos. Die eigentliche Geschichte der klinischen Organtransplantation beginnt mit der ersten erfolgreichen Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen im Jahr 1954, wofür der Chirurg Joseph E. Murray später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Eineiige Zwillinge sind genetisch identische Individuen, sodass hier immunologische Probleme (Abstoßungsreaktionen) keine Rolle spielen und eine Unterdrückung des Immunsystems beim Empfänger (immunsuppressive Behandlung) nicht notwendig ist. Im Jahr 1967 gelang einem Chirurgenteam unter der Leitung von Dr. Christiaan Barnard die erste Herzverpflanzung von Mensch zu Mensch.

Erst nach Entwicklung differenzierterer Medikamente zur Immunsuppression Anfang der 60er Jahre waren auch allogene Transplantationen, d. h. die Transplantation von Organen zwischen genetisch unterschiedlichen Individuen, erstmals erfolgreich möglich. Dies war der Beginn einer klinischen Revolution in der Behandlung von Patienten mit weit fortgeschrittenen Organerkrankungen. In den 60er und 70er Jahren wurden Transplantationen von Niere, Leber und Herz bereits in größerer Zahl durchgeführt, jedoch waren sie anfangs noch mehr oder weniger experimentelle Verfahren mit zum Teil hoher Mortalitätsrate. Erst durch weitere Fortschritte in der immunsuppressiven Behandlung Anfang der 80er Jahre und einer damit verbundenen Verbesserung der Ergebnisse kam es zu einer massiven Zunahme von Organtransplantationen und zu ersten Transplantationen von Pankreas, Lunge und Dünndarm. Seit Mitte der 80er Jahre sind die meisten Organtransplantationen klinische Routineverfahren, die einen festen Platz im therapeutischen Spektrum haben. (Vgl. Breyer, Friedrich et. al. Organmangel. Ist der Tod auf der Warteliste unvermeidbar?, Springer, 2006)

In Deutschland sind es rund 50 Kliniken, die jährlich ca. 4.000 Organtransplantationen durchführen. Doch nicht nur die medizinischen Möglichkeiten haben sich enorm fortentwickelt, auch die langfristigen Erfolgsraten bei Organverpflanzungen sind weiter gestiegen.

Nach Angaben der DSO wurden seit 1963 in Deutschland rund 94.000 Organe erfolgreich transplantiert. Mehr als 62.000 davon waren Nieren, außerdem wurden über 15.000 Lebern und fast 10.000 Herzen verpflanzt. Durchschnittlich elf Organe werden jeden Tag übertragen.