Wann ist ein Mensch tot?

Über den Tod existieren zahllose religiöse, kulturelle und weltanschauliche Vorstellungen. Die naturwissenschaftliche Medizin befasst sich mit dem Tod als dem biologischen Lebensende des Menschen. Noch bis vor rund 50 Jahren galt der Stillstand der Atmung und der Herz-Kreislauftätigkeit als untrügliches und nicht umkehrbares Zeichen für den Eintritt des Todes. Doch dank der Fortschritte in der Intensivmedizin haben sich die Erkenntnisse über die Todeszeichen seitdem verändert.

In den 50er Jahren gelang es erstmals, Patienten, bei denen ein Atemstillstand eingetreten war, künstlich zu beatmen und mehr noch: die Patienten begannen wieder eigenständig zu atmen. Auch beim Herzstillstand gelang es mit Hilfe moderner medizinischer Geräte und durch manuelle Techniken wie der Herzmassage einen Herzstillstand zu überwinden und das Herz eines Menschen wieder zum Schlagen zu bringen.

Diese Möglichkeiten führten dazu, dass die Medizin heute nicht mehr den Herz- oder Atemstillstand als sicheres, untrügliches Todeszeichen werten kann.

Etwa zur gleichen Zeit wurde erkannt, dass das Gehirn schwer geschädigt wird, wenn es auch nur für wenige Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist. Hält der Sauerstoffmangel an, erlischt die gesamte Hirnfunktion unwiederbringlich. In diesem Fall ist eine Wiederbelebung nicht möglich, es können lediglich einzelne Körperfunktionen für eine begrenzte Zeit durch künstliche Beatmung aufrechterhalten werden. Man spricht dann vom Hirntod. Dieser wird von zwei unabhängigen Ärzten diagnostiziert und lässt sich durch verschiedene Untersuchungen absolut zweifelsfrei feststellen.

Ärzte, die den Hirntod eines Patienten feststellen, dürfen nicht selbst an Organentnahmen oder Transplantationen beteiligt sein.

Hirntod bedeutet: der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms; im Gegensatz zum Koma kann es hieraus kein Erwachen geben und in allen Fällen, in denen verloren geglaubte Patienten sich wieder erholt haben, war ein Hirntod nicht diagnostiziert worden. Im Zustand des Hirntodes kann der Mensch das Bewusstsein nicht mehr wiedererlangen, nie wieder Schmerzen empfinden, denken, bewusst handeln, ebenso sind auch eine eigenständige Atmung oder Regulation der Körperfunktionen ausgeschlossen.