Wartelisten und Zuteilung der Organe
Es besteht ein großer Unterschied zwischen der Zahl der Organe, die mittels postmortaler Spende gewonnen werden, und der Zahl der Patienten, die von einem Transplantat profitieren könnten.
Derzeit sind in Deutschland rund 12.000 Menschen auf Empfänger-Wartelisten erfasst. Nach dem Bericht der Bundesregierung warteten Ende 2007 8.207 Menschen auf eine Nierentransplantation und 1.940 hofften auf eine Leber, 839 Patienten standen auf der Warteliste für Herztransplantationen, 594 warteten auf eine Lunge, 294 Patienten benötigten eine Bauchspeicheldrüse. In Deutschland finden durchschnittlich ca. 11 Organtransplantationen pro Tag statt. Von den Patienten, die auf Wartelisten stehen, sterben täglich 3 - 4, bevor das benötigte Organ zur Verfügung steht.
Aus diesem Grunde sind Kriterien zur Allokation (Zuteilung) notwendig, mit denen festgelegt wird, welcher Patient welches Organ zu welchem Zeitpunkt erhalten kann. Das Transplantationsgesetz legt fest, dass die Allokation nach objektiv nachvollziehbaren, medizinischen Kriterien zu erfolgen hat.
Die Organallokation erfolgt durch ein Computersystem, in dem umfangreiche Daten aller wartenden Patienten gespeichert sind und in das Daten des Spenders eingegeben werden. Grundlage für die individuelle Allokation sind Algorithmen, die bestimmte Daten des Spenders sowie Daten aller potentiellen Empfänger mit einbeziehen.
Bei Nierenspenden etwa sieht die Vergaberegelung so aus: Gespendete Organe werden mit Hilfe eines Computerprogramms (ETKAS = Eurotransplant Kidney Allocation System) verteilt. Dieses Programm vergibt Punkte an Wartelisten-Patienten, die die gleiche Blutgruppe haben wie der aktuelle Organspender. Für jeden potentiellen Empfänger wird eine aktuelle Punktzahl ermittelt und auf dieser Basis eine Empfänger-Rangliste für das Spender-Organ gebildet. Mehrere Faktoren werden dabei berücksichtigt: die Übereinstimmung in den Gewebegruppen (HLA-Match) zwischen Spender und Empfänger, die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten, jemals ein gutes HLA-Match zu erreichen, die Wartezeit auf eine Nierentransplantation, die Entfernung zwischen Spenderregion und Empfängerzentrum und die Import/Export-Bilanz von Organen zwischen den beteiligten Ländern – um sie möglichst ausgeglichen zu halten. Eine kleine Gruppe von Patienten, die ganz dringend eine Niere benötigt, erhält Extrapunkte.